Wir kaufen anders- Doch was tun, wenn eine nachhaltige Beschaffung teurer ist als die konventionelle?

Über Suffizienz

 
Möglicherweise ist ein nachhaltiges Produkt teurer als ein vergleichbares herkömmliches. Niedrigere Preise bei konventionellen Produkten und Dienstleistungen sind aber oft deshalb möglich, weil die Auswirkungen der Produkte auf den Menschen und die Umwelt nicht konsequent und vollständig berücksichtigt werden. Unternehmen, die nur gesetzliche Mindeststandards einhalten, kümmern sich weniger um die Arbeitsbedingungen den möglichen Einsatz von Kinderarbeit in den Produktionsländern oder den ökofairen Verbraucherschutz, einschließlich Reparaturfähigkeit und umweltgerechter Entsorgung hierzulande.
 
Soll also trotz des höheren Preises ein nachhaltigeres Produkt beschaffen werden, zieht dies die Überlegung nach sich, ob eine geringere Menge des jeweiligen Produkts ausreicht. Dieses Prinzip nennt man Suffizienz oder Zulänglichkeit: Es wird nur gekauft, was wirklich benötigt wird und damit geht man umsichtig um, teilt es besser ein und verschwendet weniger. Man verändert sein eigenes Nutzerverhalten, um sich das teurere nachhaltige Produkt leisten zu können. Dabei weiß man, dass der höhere Preis auch Umweltschutz beinhaltet und man eigentlich mit seinem Kauf in die Umwelt, die Menschen und ihre Zukunft investiert.
 
Beispielsweise kauft man seltener Fleisch, dafür aber Fleisch in Bio-Qualität aus artgerechter Aufzucht. Oder man kopiert weniger und – wenn möglich – beidseitig, um den Papierverbrauch zu reduzieren, und das Papier mit dem Siegel "Blauer Engel" beziehen.
 
Durch Wiederverwendung oder Instandhaltung verschiebt sich der Konsum von Produkten auf den Konsum von Dienstleistungen. Beispielsweise werden Papierhandtücher mit Stoffhandtüchern ersetzt, die regelmäßig gereinigt werden. Bei Dienstleistungen werden vorwiegend lokale Dienstleister in Anspruch genommen. Dadurch entstehen neue nachhaltige Arbeitsplätze, wobei die Produktion von Wegwerfartikeln sowie deren Entsorgung ggf. zurückgeht , was wiederum den Wirtschaftskreislauf beeinflusst.
 
Soll die gesamte Wirtschaft nachhaltig transformiert werden, benötigt es strengere Standards sowie einen stärkeren Verbraucher- und Umweltschutz. Dies kann im Rahmen demokratischer Prozesse erreicht werden, an denen ihr euch aktiv beteiligen könnt.
 

Wir verpflegen unsere Gemeinschaft anders

 
Eure Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen können viel für die Umsetzung einer ausgewogenen, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Gemeinschaftsverpflegung tun. Ihr könnt die Qualität eures Verpflegungsangebots verbessern indem ihr:
  • bio-saisonale Lebensmittel aus der Region beschafft,
  • eure verantwortlichen Akteure unterstützt und begleitet,
  • die Kompetenz eures Küchenteams stärkt,
  • Reste möglichst vermeidet bzw. verwertet,
  • Mehrweggeschirr nutzt
  • und mit regionalen Dienstleitern zusammenarbeitet.
Mehr Infos dazu findet ihr auf der Homepage des Bundeszentrums für Ernährung.
 

Wir feiern unsere Gemeindefeste anders

 
Feste sind besondere Momente der Gemeinschaft und können leicht nachhaltig gestaltet werden. Mit einfachen, alltagstauglichen Tipps gelingt euch auch beim Feiern nachhaltiges Handeln. So werden Feste nicht nur zu schönen Erinnerungen, sondern auch zu guten Anlässen, viele Gäste für einen bewussten Umgang mit unserer Umwelt zu begeistern.
 
  1. Lokale und saisonale Lebensmittel: Bezieht Lebensmittel von lokalen Bauern und Produzenten. Das unterstützt die lokale Wirtschaft und reduziert den CO2-Fußabdruck.
  2. Mülltrennung: Stellt ausreichend Mülltrennungsstationen auf, damit die Gäste ihren Abfall richtig entsorgen können.
  3. Umweltfreundliche Transportmöglichkeiten: Ermutigt die Gäste, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Wir empfehlen euch diese App: Home - ida - Deine Mitfahrapp
  4. Nachhaltige Giveaways: Versucht darauf zu verzichten und setzt den Fokus auf die Schaffung von Erlebnissen. Wenn ihr dennoch Geschenke oder Preise verteilt, wählt nachhaltige Optionen wie wiederverwendbare Taschen oder lokale Handwerksprodukte.
  5. Wiederverwendbare Dekorationen: Verwendet einfach Mehrweg-Dekorationen anstatt Einwegartikel.  Das spart nicht nur Geld, sondern reduziert auch Abfall.
  6. Essensreste: Informiert eure Gäste, dass übrig gebliebenes Essen auch mit nach Hause genommen werden darf.
 
 

Wir wertschätzen Lebensmittel anders

 
 

Stehen bei euch Obstbäume auf vielen öffentlichen, kirchlichen oder privaten Grundstücken, die nicht geerntet werden? Dann ladet in eurer Gemeinde zu einer gemeinsamen Ernteaktion ein. Im Anschluss könnt ihr z. B. Streuobstsaft pressen lassen, der in der Gemeinde verkauft wird.
 

Krumme Gurken, zweibeinige Karotten: Oft werden Gemüse schon auf dem Bauernhof aussortiert, weil sie "als nicht verkaufsfähig" gelten. Die Alternative: Fragt direkt beim Bauern nach dem krummen Gemüse, engagiert ein paar Freiwillige und kocht daraus eine leckere Suppe, z. B. für das Gemeindefest. Wenn ihr keinen Bauern vor Ort habt, bestellt euch doch die Etepetete-Box. www.etepetete-bio.de
 

Junge Leute bauen wieder Obst und Gemüse an („urban gardening“), ältere Leute wissen noch, wie man die Ernte haltbar macht. Bringt beide in der Küche des Gemeindezentrums zusammen – zu einem Kurs übers Marmeladekochen, Gemüse einmachen, Obst dörren etc. So kommen die ganzen Köstlichkeiten sicher durch den Winter und das alte Wissen wird weitergetragen.
 

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt an, wie lange der Hersteller den verzehrfähigen Zustand garantiert. Abgelaufene Produkte müssen also nicht weggeworfen werden: Wenn Aussehen, Geruch und Geschmack noch o.k. sind, können diese bedenkenlos gegessen werden. Nur Produkte mit Verbrauchsdatum (z. B. Hackfleisch) sollten nach Ablauf des Datums unbedingt entsorgt werden.
 

Damit Lebensmittel lange verzehrfähig bleiben, sollten sie richtig gelagert werden. Umfangreiche Tipps dazu findet ihr unter www.zugutfuerdietonne.de.
 

Übriggebliebene Lebensmittel können kostenlos im Foodsharing-Netzwerk weitergegeben werden. Gerade in Gemeinden, in denen öfter noch verzehrfähige Lebensmittel anfallen, kann eine Registrierung als Foodsharer/Foodsaver interessant sein. Alternativ kann auch eine Zusammenarbeit mit lokalen Tafeln oder ähnlichen Einrichtungen sinnvoll sein. 
 

Wir beschaffen bio-saisonale und regionale Lebensmittel

 
Informationen für Baden-Württemberg
 
In Baden-Württemberg unterstützt das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz den Bezug von regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln mit verschiedenen Maßnahmen.
 
 

Mit der Regionalkampagne „Natürlich. VON DAHEIM“ werden regionale Erzeuger-Betriebe in Baden-Württemberg porträtiert, regionale Bezugsmöglichkeiten in einer Karte dargestellt und weiterführende Informationen zum Thema bereitgestellt.
 
 

In den Bio-Musterregionen stehen mit den Regionalmanagerinnen und Regionalmanagern außerdem Ansprechpersonen bereit, die beim Bezug regionaler Bio-Produkte unterstützen können. Auch bei Fragen rund um das Thema Bio-Zertifizierung, Rezept-Gestaltung mit regionalen und saisonalen Zutaten und Öffentlichkeitsarbeit sind die Bio-Musterregionen gute Anlaufstellen zur Vermittlung von weiterführendenden Information und Ansprechpartnern.
 
 
Öko-Modellregionen bundesweit
 
Bundesweit bringen Kommune und Regionen den Biogedanken durch Öko-Modellregionen und Bio-Städte selbst voran. Nähere Infos dazu sind auf dem Informationsportal oekolandbau.de zu finden.